Unter- und Mittelstufe

Information zur Unterstufe (Klasse 1 bis 4) und Mittelstufe (Klasse 5 bis 8) (Stand: August 2016)

Der pädagogische Schwerpunkt der Arbeit in der Unterstufe liegt auf der Begleitung der seelischen Entwicklung des Kindes im zweiten Jahrsiebt. Bei allen Unterrichtsinhalten vom Stricken bis zum Bruchrechnen, von der Eurythmie bis zur französischen Grammatik wird das Fühlen und das Wollen durch die Art der Unterrichtsgestaltung besonders angesprochen. Damit gewinnt das Kind eine tiefe und sichere innere Verbindung zur Welt in ihrer Vielfalt. Auf dieser Grundlage wird es dann, seinem Entwicklungsbedürfnis entsprechend, von der Mittelstufe an zunehmend darin unterstützt, sich die Phänomene und Zusammenhänge der Welt auch über das abstrakte Denken anzueignen.

Betreuung

In der Unter- und Mittelstufe wird jedes Kind von einer Klassenlehrerin oder einem Klassenlehrer begleitet, der besonders eng mit dem Elternhaus zusammenarbeitet, jeden Morgen den Hauptunterricht gestaltet und auch an allen Projekten und Fahrten beteiligt ist. So wird er in die Lage versetzt, das einzelne Kind auf seinem individuellen Entwicklungsweg verständnisvoll zu unter-stützen. In den ersten beiden Klassen, bei Bedarf auch darüber hinaus, gibt es seit dem Schuljahr 2010/ 2011 ab einer Klassengröße von 27 Kindern zusätzlich die Möglichkeit einer Klassenbegleitung, um den wachsenden Betreuungsansprüchen mancher Schulanfänger gerecht zu werden und die Bildung einer harmonisch zusammenwirkenden Klassengemeinschaft zu ermöglichen.

Unterricht

Der Hauptunterricht von 7.55 Uhr bis 9.40 Uhr wird eröffnet vom rhythmischen Teil mit Gesang, Flötenspiel, Rezitationen und, zumindest in den unteren Klassen, viel Bewegung. Den Abschluss bildet der Erzählteil, in dem die Kinder von den Märchen der ersten Klasse bis zu den Biografien der achten Klasse in die Menschheitskultur eintauchen können. Im Arbeitsteil im engeren Sinne werden die jeweiligen Themen drei bis vier Wochen lang in sogenannten Epochen erarbeitet. Zum Rechnen, Schreiben, Lesen und Formenzeichnen der ersten Klassen gesellen sich im Laufe der Schuljahre immer mehr Sachkunde-Epochen wie Land- und Hausbau, Handwerk, Tierkunde, Pflanzenkunde, Erdkunde, Geschichte, von der Mittelstufe an auch Physik und Chemie. Von der ersten Klasse an werden die Fremdsprachen Englisch und Französisch im Rahmen des Fachunterrichtes gelernt. Während die Kinder in den ersten drei Jahren in Liedern, Versen und Spielen das Wesen der fremden Sprache erleben, werden nach dem Erlernen der Schrift Sprachverständnis, Ausdrucksfähigkeit und Grammatik immer wichtiger.

In der Eurythmie lernen die Kinder, Sprache und Musik in Bewegung auszudrücken, sowohl individuell als auch in anspruchsvollen Raumformen, die aus dem Zusammenwirken der ganzen Gruppe entstehen. Persönliche und soziale Bewegungsförderung erleben die Kinder darüber hinaus im Spielturnen in den unteren Klassen und im Sportunterricht von der vierten Klasse an. Zusätzlich zum Malen als Bestandteil vieler Epochen lernen die Kinder von der ersten Klasse an, auch mit Hilfe von Pinsel und Aquarellfarben ihren künstlerischen Sinn zu entfalten.

Im Musikunterricht vertiefen sie das Flötenspiel, erlernen von der dritten Klasse an den mehrstimmigen Gesang und beteiligen sich ab dem vierten Schuljahr zunächst als musizierende Klassengemeinschaft, ab der sechsten Klasse als Mittelstufenchor oder -orchester an den zweimal jährlich stattfindenden Schulkonzerten.

Der handwerkliche Unterricht beginnt in der ersten Klasse mit der Handarbeit, in der alle Kinder das Häkeln, Sticken, Stricken und in der siebten Klasse das Nähen mit der Maschine erlernen. Im Werken wird in der fünften Klasse zunächst geschnitzt, in den folgenden Jahren lernen die Kinder dann, beispielsweise einen Hocker durch alle Arbeitsgänge selbst herzustellen. Im Gartenbau ab der 6.Klasse legen die Schüler eigene Beete an und lernen den Jahreslauf der Vegetation tätig kennen.

Projekte

Im dritten Schuljahr bestellen die Kinder ein Getreidefeld von der Aussaat bis zur Ernte, backen in der Backstube und bauen gemeinsam etwas Dauerhaftes und Nützliches aus Stein, Lehm und Holz. Im Rahmen der Handwerkerepochen besuchen die Kinder Betriebe in und um Augsburg und dürfen eventuell auch erste Erfahrungen mit dem Schmieden und der Köhlerei machen. Vom vierten oder fünften Schuljahr an verreist die Klasse einmal jährlich für mehrere Tage gemeinsam, ins Schullandheim oder zum Zelten, in die Berge oder ans Meer, auf dem Rad oder zu Fuß. In jedem Schuljahr finden drei Schulfeiern statt, auf denen die verschiedenen Klassen kleine Darbietungen aus dem Hauptunterricht, den Fremdsprachen oder der Eurythmie präsentieren. Gelegentlich wird dafür auch schon ein szenisches Spiel geübt. Im achten Schuljahr erarbeitet sich jede Klasse mit Hilfe des Sprachgestalters, der Klassenlehrer und verschiedener Fachlehrer ein ganzes Schauspiel einschließlich Bühnenbild, Kostümen, Bühnentechnik und Musik, wobei jeder Schüler mindestens eine Rolle spielt und sich je nach Neigung und Fähigkeit an den übrigen Aufgaben beteiligt. Die Aufführung ist jedesmal ein großes Ereignis für die ganze Schulgemeinschaft, die die Mitwirkenden mit dem verdienten Applaus zugleich in die Oberstufe aufnimmt.

Individuelle Förderung

Das ganzheitliche Angebot der Waldorfschule ermöglicht es jedem Kind in den ersten Schuljahren, seine bekannten Begabungen zu entwickeln und neue zu entdecken. Darüber hinaus werden die Bemühungen der Klassen- und Fachlehrer um jedes einzelne Kind von der Medizinisch- Pädagogischen Konferenz unter der Leitung von zwei Schulärzten unterstützt. In diesem Rahmen können in jedem Schuljahr mehrere Kinder aus jeder Klasse Sprachgestaltung, Maltherapie, Heileurythmie und Förderunterricht bekommen. Die Klassen- und Fachlehrer schreiben zum Ende des Schuljahrs für jedes Kind ein ausführliches Textzeugnis, das seine Entwicklung in Sozialverhalten, Arbeitshaltung und Lernerfolg beschreibt.

Elternmitarbeit

Um eine intensive Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern zu gewährleisten, finden in jedem Schuljahr mehrere Elternabende statt, auf denen pädagogische und unterrichtsinhaltliche Fragen nach Möglichkeit den Vorrang vor Organisatorischem haben. Weiterhin führen Klassen- wie Fachlehrer regelmäßig Gespräche mit einzelnen Eltern, die jederzeit von beiden Seiten erbeten werden können. In den ersten Schuljahren führen die Klassenlehrer darüber hinaus auf Wunsch Hausbesuche durch. Von der fünften Klasse an veranstalten die Fachlehrer im Frühjahr außerdem einen Elternsprechtag. Vor allem die Klassenlehrer sind über das Jahr immer wieder auf die praktische Mitarbeit engagierter Eltern angewiesen, beispielsweise bei Ausflügen oder handwerklichen Aktivitäten, beim Adventsbazar oder bei der Gestaltung von Klassenfesten. Klassenübergreifend können sich Eltern in zahlreichen Gremien und Arbeitskreisen einbringen und so zur Gestaltung einer immer schöneren und erfolgreicheren Schule für ihre Kinder beitragen.