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Mit dem Alpaka durch den Schulgarten – Erntedankfest endet mit Sonnenschein

Der Tag der deutschen Einheit wird seit etlichen Jahren in Augsburg auch mit dem besonderen Erntedankfest in der Hammerschmiede verbunden. Auch in diesem Jahr war das Fest sehr gut besucht. Trotz des zu Beginns sehr ungemütlichen Wetters kamen viele Gäste, um gemeinsam zu feiern. „Wir haben rund 1.000 Portionen Kuchen und ebenso viele Portionen Würstchen und Pommes verkauft, wir hatten so viele freiwillige Helfer und Essensspenden wie nie“, berichtet Gabi Cyran-Sylla, Sprecherin des veranstaltenden Elternkreises.
In riesigen Metallpfannen brutzelte Lehrer Bernhard Volk mit Schülern goldfarbene Bio-Pommes, ein besonders begehrtes Schmankerl. Der Speisesaal war immer voller Besucher, die sich die selbstgebackenen Kuchen, eine Kürbissuppe oder frischgepressten Apfelsaft schmecken liessen.
Erstmalig trat eine Volkstanzgruppe auf, die nicht nur heitere Reigentänze zeigten, sondern auch die Gäste zum Mittanzen aufforderte. Die dritte Klasse drosch das selbst gepflanzte und geerntete Getreide, Kinder durften Alpakas durch den Schulgarten führen und eine kleine Pony-Kutsche drehte Runde um Runde um die Schule. „Ich bin zum ersten Mal hier und bin von der fröhlichen Atmosphäre hier ganz begeistert“, sagte eine Neu-Augsburgerin. Andere Gäste kommen jedes Jahr. „Das ist wohl das schönste Fest seiner Art, das ich kenne“, sagte etwa Susanne Altmann, deren Sohn seit neun Jahren in die Waldorfschule geht. An Informationsständen entwickelten sich Gespräche über Waldorfpädagogik, solidarische Landwirschaft oder Demeter-Landwirtschaft. An kleinen Ständen konnte man Ziegenkäse oder Biogemüse aus der Region kaufen. (Fotos: Angelika Lonnemann und Saskia Wehler)

Hier noch ein ganz persönlicher Bericht eines neuen AK-Öff-Mitglieds (herzlich willkommen, Saskia Wehler!):

Es war so ein bisschen wie nach „Hause kommen“.  Es mag an den Farben gelegen haben. Das Orangerot der Waldorfschule Augsburg vielleicht, - vor gelborangenem Blätterwerk , - dahinter Himmel, blauweiß, dunkelrote Äpfel, sattfarbenes Gemüse, aquarellfarbig getönte Wollbäusche des Filzmaterials, weißgelber Honig. Vielleicht.

Das handwerkliche Treiben der Kinder aber, auf dem Erntedankfest 2017, war mein eigentliches persönliches Highlight meines Besuches. Eine innere Freude zu sehen, mit welchem Eifer, Stolz und kindlicher ‚Professionalität‘ die Schüler mit der Apfelpresse Saft produzierten. Er schmeckte köstlich. Oder wie sie die gewaltige Getreidepresse bedienten. Man bekam eine Ahnung davon, welch langwierige Mühsal das Getreidedreschen unserer Vorfahren ohne große Landmaschinen gewesen sein muss.  Sauerkrautstampfen in Krügen, die noch bei meiner Oma im Keller standen.  Und dann diese riesigen Metallschalen, in denen Bio-Pommes brutzelten. So goldgelb wie sie aussahen schmeckten sie auch. Ich starrte in diese brodelnde Schalen, in denen der Lehrer Bernhard Volk stetig rührte. Dampf stieg immer wieder auf und jetzt weiß ich auch an was mich diese Szenerie irgendwie erinnerte. Menzel, ja, an die Schmiedewerkstätten aus Adolf Menzels Zeit. Das rege Treiben, Schuften und Schaffen mit Metall, glühendem Eisen. Nur eine Assoziation, aber da war es wieder - diese Nähe zu Tradition und handwerklichem Arbeiten, welches gerade in aktuellen politisch irritierenden Zeiten einen besonderen Stellenwert bekommt. Mit den Händen das von der Erde gewonnene verarbeiten. Damit soll kein traditionalistisches Romantisieren heraufbeschworen werden. Nein! Jenseits von Trump und anderen politischen Irritationen aber, gewinnen diese Eindrücke, mitsamt filzenden Händen, Ponykutschen, Gesprächen über solidarische Landwirtschaft, Demeter Gemüse, Imkerhonig, Volkstanz und Bastelstube eine beruhigende Konstante. 
Danke an dieser Stelle für ein weiteres schönes „Waldorfmoment“.