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Das war das Marokkoprojekt 2017

Vom 22. Juli bis 1. August 2017 waren 16 Schüler und vier Kollegen von unserer marokkanischen Partnerschule zu Besuch. Mit dabei war auch Ahmed, für dessen Fuß OP sich viele unserer Schüler bei einem Sponsorenlauf eingesetzt hatten.

Im Rahmen der Projektwoche wurde der 100m2 große Fahrradunterstand fertiggestellt und mit einem massiven Holzdach versehen, dessen Stahlstützen vor 2 Jahren zusammen einbetoniert worden waren. Vielen Dank unserem Ex-Schüler Florian und Vater Salim für die große Unterstützung! In den Balken, der zum Schulhof hin das Dach trägt, hat Badr Tuir, einer der Lehrer, auf Arabisch die Namen beider Schulen geschnitzt.

Wir haben unseren Gästen die Schule gezeigt, und Schüler haben sie auf Französisch erklärt. Im Rathaus wurden unsere Partner von Bildungsreferent Köhler würdig empfangen und von unserer Schülerin Klara herzlich begrüßt. Wir erforschten in einer Stadtrallye gemeinsam die Stadt und vergnügten uns bei der Kahnfahrt. Es gab auch eine Exkursion nach München und eine Wanderung in den Alpen. Es wurden bayerische und arabische Lieder gesungen und gegenseitig Deutsch und Arabisch gelehrt, wobei die Gäste eindeutig eifriger waren.

Die marokkanischen Schüler mussten sich z. T. daran gewöhnen, in den Gastfamilien erstmals mit Hunden zu wohnen, Zärtlichkeiten zwischen Jungen und Mädchen oder im Englischen Garten sogar Nacktbadende zu erleben, während die gastgebenden Schüler z. B. vor der Aufgabe standen die richtige Gebetsausrichtung in ihrer Wohnung herauszufinden (nach Mekka). Auch konnten sie in einer kleinen türkischen Moschee erstmals einem muslimischen Gebet beiwohnen.

Im Rahmen der Projektwoche, die zeitlich mit dem Besuch der Partner zusammenfiel, konnte man bei Samira lernen, marokkanische Gerichte zuzubereiten, von Mohammed erfuhr man viel über Marokko, und bei Badr konnte man arabische Kalligraphie üben. Marokkanische Schüler wählten Kurse wie Aufbau und Pflege eines Viertaktmotors, Gewaltfreie Kommunikation, Bouldern, Brakedance, Fahrradreparatur, Singen und die Zubereitung von Sushis. Vorteil der Projektwoche war, dass mehr Schüler mit unseren Gästen in Kontakt kamen, Nachteil, dass die Gäste sich in den Kursen teils etwas verloren fühlten, und dass die Kerngruppe mehr Zeit brauchte, um richtig zusammenzuwachsen.

Beim Abschiedsfest, zu dem die marokkanischen Gäste wie auch schon beim Empfang im Rathaus in farbenfrohen, traditionellen Gewändern erschienen und durch Singen, Trommeln und Tanzen temperamentvoll zur Festesstimmung beitrugen, fragte ein Sechstklässler, ab wann man denn beim Marokkoprojekt mitmachen könne. Er war sichtlich enttäuscht, noch drei Jahre warten zu müssen. Eine Mutter hätte sich mehr Zeit mit ihrem Gastsohn in der Familie gewünscht. Einer der marokkanischen Lehrer erzählte beim Essen, wie er einen Spaziergänger beim Aufsammeln der Hinterlassenschaft seines Hundes beobachtet hatte, und war sichtlich erstaunt. Ein marokkanischer Schüler bedankte sich nach der Rückkehr noch mal sehr in einer Facebook-Nachricht und versicherte, diese Reise wäre das schönste Erlebnis seines Lebens gewesen.

Mit dabei war auch Ahmed, Ex-Schüler der Partnerschule und inzwischen Mathematikstudent. Er wurde mit Klumpfüßen geboren, und seine mittellosen Eltern konnten die teure Therapie in der fernen Stadt finanziell nicht lange genug durchhalten. Darum ist ein Fuß noch heute um 90° nach innen gedreht, und Ahmed läuft auf dessen Außenkante. Die Schulgemeinschaft hatte durch eine Spendenkampagne und Sponsorenläufe darauf hingearbeitet, dass der 21jährige hier operiert werden kann und das Geld für den langen Krankenhausaufenthalt gesammelt. Prof. Wild und Dr. Lembcke, zwei Chirurgen der Donaukliniken, waren bereit, die Operation unter Verzicht auf jegliches Honorar vorzunehmen. Leider gelang es nicht, ein medizinisches Visum für Ahmed zu bekommen, und das Touristenvisum war auf die Zeit des Austauschprojektes begrenzt. Eine Verlängerung konnte auch nicht erwirkt werden. So musste er, zwar erfüllt von den Eindrücken seiner ersten Auslandsreise, ja seiner ersten Reise überhaupt, aber doch recht enttäuscht mit den übrigen Teilnehmern Deutschland wieder verlassen. Aber mit dem gesammelten Geld und der organisatorischen Hilfe des Kollegen Laoula Laouifi konnte Ahmed inzwischen in einer Klinik in Rabat erfolgreich operiert werden. In einigen Monaten muss er sich einer zweiten Operation unterziehen, und dann wird er bald richtig laufen können. Er ist sehr glücklich!